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Das Tagebuch der Tour

Samstag, 30.08.2003
(Anreise)

Campingplatz in DigoinVon Heidelberg nach Digoin sind es ungefähr 600 km. Der Multivan wurde schon am Vorabend gepackt, so dass mein  Sohn Frederick und ich gleich nach dem Frühstück losfahren können.  Die Fahrt verläuft ohne Aufregungen und wir erreichen den Campingplatz in Digoin gegen 16.00 h.

Der Platz  liegt direkt an der Loire, in unmittelbarer Nähe zu einem großen Schwimmbad, das jetzt, Ende August, aber schon geschlossen hat. Der Platz ist relativ einfach ausgestattet aber sehr sauber. Der Service stimmt, der Besitzer kümmert sich um seine Gäste, er hält ein Schwätzchen und gibt Tipps zur bevorstehenden Paddeltour. Übrigens kann man auf dem Campingplatz Kanadier leihen für geführte Touren auf der Loire.

 

Sonntag, 31.08.2003
(Digoin bis Eisenbahnbrücke km 378)

LoireEs regnet die ganze Nacht über, aber gegen Morgen hört der Regen auf und wir wachen bei Sonnenschein auf. Obwohl wir recht früh aufstehen, dauert es doch ziemlich lang, bis der Kanadier startklar ist. Gegen eine Gebühr von 2,00 Euro können wir den Multivan im Campingplatz abstellen. So sind wir sicher, dass wir nach der Tour unser Auto wieder unversehrt vorfinden werden.

Um 11.30 h sind wir endlich an Bord. Es ist Fredericks erste Wandertour auf dem Wasser. Wie ich es aber nicht anders erwartet habe, lebt er sich schnell in das amphibische Leben ein und ist begeistert.

Treideln des BootsWas uns eigentlich schon vorher klar war, bewahrheitet sich jetzt. Durch den heißen Sommer führt der Fluss nur noch wenig Wasser.  Mit unserem gut ausgeladenen Kanadier schrammen wir öfter über den Kies des Flussbetts. Mehrmals müssen wir aussteigen und das auf dem Sand oder dem Kies aufgelaufene Boot freischieben oder über die seichten Stellen treideln.

Trotz über 1.000 km Paddelerfahrung begehe ich schon am ersten Tag einen dummen Fehler, der mir eigentlich nicht hätte unterlaufen sollen. Wir verstauen den sehr genauen  Michelin-Atlas nicht richtig, sondern legen ihn nur nachlässig auf das Gepäck. Bei einer ruckhaften Bewegung  des Kanadiers rutscht der Atlas ins Wasser und versinkt im Fluss. Mit ihm der DKV-Führer! Den DKV-Führer kriege ich noch zu fassen, wegen seines Kunststoffeinbands schwimmt er ein wenig, so dass er nicht sofort untergeht. Aber der Atlas ist weg. Nun haben wir keine Karten mehr.  Wegen der vielen Mäander, die die Loire in dieser Gegend macht, verlieren wir schnell die Orientierung und wissen nur noch vage, wo wir sind.

Zeltplatz an der LoireWir hatten geplant, auf dem Campingplatz in Diou (km 379) zu übernachten. Die Strecke zieht sich aber endlos hin und da wir ohne Atlas wirklich nicht wissen, wie weit es noch zum Campingplatz ist, schlagen wir unser Zelt gegen 19.00 h auf einer Landzunge auf. Gerade als es steht, hören wir einen Zug. Wir zelten nur eine Kurve vor der lang ersehnten Eisenbahnbrücke von Diou! Trotzdem haben wir es gut getroffen. Der Zeltplatz liegt romantisch am Ufer der Loire, weitab von jeder Siedlung.

 

Montag, 01.09.2003
(Eisenbahnbrücke von Diou bis Brücke von Fourneau)

Verfallenes Wehr Heute klappt es schon besser, wir sitzen um 10.30 h im Boot. Gott sei Dank haben wir gestern Abend nicht mehr versucht Diou zu erreichen. Der Campingplatz hat nämlich schon geschlossen. Im Ort finden wir aber einen kleinen Supermarkt, wo wir einkaufen können.

Nach Diou kommen wir an ein verfallenes Wehr (km 381). Laut Flussführer könnte es zwar befahren werden, bei dem derzeitig tiefen Wasserstand ist das aber nicht möglich. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als es zu umtragen. Die Portage erweist sich als äußerst anstrengend.

Mittagspause am FlußWir müssen unser ganzes Gepäck quer über einen Kieshang schleppen, zum Schluss muss noch der Kanadier hinüber gezerrt werden. Die ganze Aktion kostet uns über eine Stunde. Danach machen wir erstmal Mittagspause, direkt am Fluss, mit den Füßen im Wasser.

Wir schaffen heute nur 10 km. Wir campen ein paar hundert Meter hinter der Brücke von Fourneau (km 389,5). Unser Camp liegt aber soweit weg, dass wir die Brücke und die Straße weder sehen noch hören.

Wir haben an diesem Abend alles, was wir uns wünschen: Wir  sammeln trockenes Treibholz und entzünden ein Lagerfeuer auf dem feinen Kies unseres Lagerplatzes.  Als das Feuer heruntergebrannt und die Sonne schon untergegangen ist, grillen wir Steaks und Würstchen auf der Glut.  Romantik pur! Das erlebt man in Mitteleuropa so nur noch an der Loire.

Heute Nacht wird es kalt. Ich glaube, es ist die erste Nacht seit Mai, dass das Thermometer unter 10° fällt.

 

Dienstag, 02.09.2003
(Brücke von Fourneau bis kurz vor Decise)

Wir werden immer schneller. Heute sind wir schon um 10.00 h auf dem Wasser. Obwohl wir wissen dass sie kommen muss, verpassen wir die Mündung der Somme. Es ist einfach zu trocken, wahrscheinlich führt dieser Fluss überhaupt kein Wasser mehr. Die Mündung bleibt für uns verborgen.

Wir hatten geplant, auf dem Campingplatz in Thareau (km 409) zu übernachten und dort auch einzukaufen. Nach dem Anlagen stellt sich aber schnell heraus, dass es den Campingplatz in Thareau nicht mehr gibt, leider auch keine Einkaufsmöglichkeit. In der Ferne sehen wir den Kirchturm von St. Hilaire-Fontaine und beschließen, in dieser Ortschaft unser Glück zu versuchen. Nach einer guten halben Stunde Fußmarsch müssen wir feststellen, dass es dort nur eine Post, sonst aber keine  Einkaufsmöglichkeit gibt. Also zurück zum Kanadier und wieder auf die Loire.

Der Landausflug kostet uns gut und gerne eineinhalb Stunden.

Charolais-RinderUns hält nichts mehr in Thareau, es wird Zeit, weiter zu fahren. Es ist klar, dass wir auch heute Abend nicht auf einem offiziellen Campingplatz übernachten werden, also suchen wir einen passenden Zeltplatz am Ufer. Die Gegend ist für die Zucht von Charolais-Rindern bekannt. Überall an den Ufern sieht man diese kräftigen, weißen Tiere. Für uns bedeutet das, dass wir nicht nur einen Zeltplatz suchen, der schön gelegen ist, sondern zusätzlich auch nicht von Rindern besucht wird. Frederick (und auch ich) legen angesichts der schieren Größe dieser Tiere nämlich überhaupt keinen Wert auf eine nähere Bekanntschaft.

Camp vor DeciseEinen Platz zu entdecken, der von den Rindern nicht erreicht werden kann, ist allerdings gar nicht so einfach. Bis wir endlich ein passendes Camp gefunden haben,  kommen wir schließlich bis ca. 3 km vor Decise. Hier hat der Kanu-Club Decise ein "Pique-nique-Aire", das eigentlich aus nicht mehr als einer riesigen Sand- oder besser Kiesbank, besteht. Endlich haben wir unseren Platz gefunden. Wir gehen davon aus, dass es den Kanuten in Decise nichts ausmacht, wenn wir hier auf ihrem Gelände für einen Nacht unser Zelt aufstellen.

Heute haben wir 33 km gepaddelt und sind zudem noch eineinhalb Stunden zu Fuß unterwegs gewesen. Kein Wunder, dass wir geschafft sind! Selbst dem durchtrainierten Leistungssportler Frederick reicht es für heute.

 

Mittwoch, 03.09.2003
(Decise)

Decise Der gestrige Tag war für uns beide sehr  anstrengend, also schlafen wir heute aus und stehen erst um 8.00 h auf. Wir haben nämlich beschlossen, heute einen Ruhetag einzulegen und auf den Campingplatz in Decise zu gehen. Wir können es somit ruhig angehen lassen und sitzen erst gegen 11.00 h in unserem Kanadier.

In Decise fehlt uns erst einmal die Orientierung. Der Flussführer ist nämlich recht ungenau mit seinen Angaben, es wird nicht richtig klar, wo der Kanal und wo der Aron mündet. Ein freundlicher Angler, den wir um Rat fragen, klärt uns auf und so biegen wir fast vor dem Stauwehr in den Aron ein und gelangen nach ca. 250 m flussaufwärts Paddeln an einen sehr gepflegten, komfortablen  Campingplatz.

Campingplatz in DeciseWir gehen einkaufen, in das typisch französische Stadtchen und genehmigen uns in einer Bar "un demi" und "un coca-cola".
In der Nacht haben wir ein unangenehmes Erlebnis. Als ich gegen 2.30 h kurz raus muss, wird mir innerhalb von drei Minuten die Mag-Lite gestohlen, die ich auf dem Kanadier liegen lasse, da der Campingplatz hell erleuchtet ist. Nach einer Stunde kommt der Dieb wieder und inspiziert mit einer Lampe das Zelt von außen und unseren Kanadier. Ich liege noch wach. Den Schlafsack öffnen und das bereitliegende Holzbeil packen, sind eins. Mit dem Beil in der Hand stürme ich aus dem Zelt. Alles dauert natürlich viel zu lange, der Schuft hat sich aus dem Staub gemacht. Wahrscheinlich ist es auch besser so.

 

Donnerstag, 04.09.2003
(Decise bis Béard/Imphy)

Umtragung in DeciseDie gestrige Nacht steckt mir noch in den Knochen, Frederick hat von allem nichts mitbekommen und hat gut geschlafen. Wir stehen früh auf, um 10.00 h sind wir schon an Bord. Vom Campingplatz aus geht es ca. 250 m den strömungslosen Aron hinunter, bis in die Loire. Dort versperrt uns ein hohes Wehr (km 425) die Weiterfahrt. Wir müssen umtragen! Die Portage erweist sich als Schwerstarbeit. Es gibt keinen Weg, unser extra verstärkter Bootswagen bricht zweimal zusammen, so dass wir auf ihn ganz verzichten und alles tragen müssen. Erst geht es durch ein bisschen Wald, dann folgen Sanddünen, Kiesbänke und kleine Rinnsale.

Umtragung bei DeciseWir brauchen drei Stunden für diese Ochsentour. Es ist wirklich bedauerlich, dass man beim Bau des Stauwehrs nicht an Kanuten gedacht und eine Bootsrutsche oder ähnliches gebaut hat. Außer dem Hinweisschild, dass umtragen werden muss, gibt es keinerlei Infrastruktur für Wasserwanderer.
Endlich, um 13.00 h sitzen wir im Boot und können unsere Fahrt fortsetzen. Trotzdem geht es jetzt flott voran. Schon um 16.00 h erreichen wir eine kleine Insel zwischen Béard (km 439) und Imphy (km 446). Sie liegt mitten in der Loire, weit und breit ist kein Dorf oder Bauernhof zu sehen. Nur ganz in der Ferne sehen wir die Kirche von St. Quen sur Loire.

Nach dem BadObwohl ich nun schon wirklich lange genug Wanderfahrten unternehme und schon einige Flüsse Europas gepaddelt bin, unterläuft mir ein wahrer Anfängerfehler: Wir ziehen den Kanadier zum Entladen an Land, machen ihn aber nicht fest. Beim Aufbau des Zeltes sehe ich plötzlich aus dem Augenwinkel, wie das Boot aus dem kleinen "Naturhafen", wo wir es abgelegt haben, in Richtung Flussströmung treibt. Frederick und ich lassen alles fallen und rennen dem Boot hinterher. Dieses wird immer schneller und wird von der Strömung erfasst. Schwimmend erreichen wir den Kanadier. Der Fluss ist ausgerechnet hier mehr als mannstief. Am Ufer liegen große Wasserbausteine. Wir schieben das Boot schwimmend ans Ufer und kommen so an Bord. Gott sei Dank haben wir vorhin die Paddel nicht ausgeladen, so dass wir jetzt relativ mühelos wieder unsere Insel erreichen. Außer dass wir bis auf die Haut nass sind, ist nichts passiert.

Camp Was wäre aber geschehen, wenn ich beim Zeltaufbau nicht zufällig in Richtung Boot geschaut hätte? Wir wären ohne Boot mitten in der Loire festgesessen, fernab von jeder Siedlung. Kein schöner Gedanke.

Jetzt sind wir jedenfalls vollkommen nass, das Portemonnaie mit dem Geld ist durchweicht, nur unsere Hüte sind noch trocken. Nachdem wir uns umgezogen haben und das Zelt fertig aufgebaut ist, nehmen wir den Kanadier und paddeln an Land, um Feuerholz zu sammeln.

Genau gegenüber unseres Zeltes liegt ein umgestürzter, trockener Baum, an dem wir mit dem Beil alles abhacken, was abzuhacken ist. Frederick hat sich eine Angel gebastelt und versucht sein Glück am "Hafen". Leider ohne Erfolg.

Lagerfeuer im CampAm Abend gibt es am Lagerfeuer gegrillte Entre-Côtes von Charolais-Rindern, ein wahrer Genuss. Nach den Anstrengungen des heutigen Tages kriechen wir schon um 22.30 h in die Schlafsäcke und schlafen den Schlaf der Gerechten.
 

 

Freitag, 05.09.2003
(Béard/Imphy bis Nevers)

Zähneputzen im RegenUm 7.00 h weckt uns Regen. Gestern Abend war es ungewöhnlich warm und es herrschte eine seltsame Wetterstimmung. Nun wissen wir weshalb. Da wir heute Nevers erreichen wollen, bleibt uns nichts anderes übrig, als im Regen zu frühstücken, die Zähne zu putzen und abzubauen.

Es wird eine ungemütliche Etappe. Trotz Regenjacke und Capes sind wir schnell von unter her durchweicht.

Nach Imphy (km 446) müssen wir den Kanadier über ein Natursteinwehr (km 447) treideln. Ich rutsche auf den Steinen des Wehrs ab und falle ins Wasser. Nun bin ich vollkommen nass. Bei km 450 hört der Regen auf und Frederick und ich beschließen, uns umzuziehen. Also an Land, die Packsäcke auf und die Klamotten gewechselt.

NeversGegen 15.00 h erreichen wir Nevers, das Ziel unserer Reise. Hier erwartet uns eine herbe Überraschung. Der Campingplatz, von dem vor zwei Jahren meine erste Loire-Tour startete, existiert nicht mehr. Die Parzellen sind mit hohem Unkraut bestanden,  die Gebäude teilweise zerstört, die sanitären Anlagen zerschlagen. Hier wollen wir nicht campen! Wir legen am rechten Ufer beim Mercure-Hotel an, neben dem Clubhaus des Kanu-Clubs von Nevers.

Der Kanadier wird entladen, das komplette Gepäck lagern wir in einem kleinen Park, das Boot legen wir über das Gepäck. Wir bekommen eine Zugverbindung nach Digoin (mit Umsteigen) über Moulins sur Alier. Auf der Zugfahrt sehen wir ein paar mal unsere alte Freundin, die Loire, wie sie sich in ihrem kiesigen Flussbett dahinschlängelt. Als wir über die Brücke bei Diou  (km 378) fahren,  sehen wir sogar kurz unseren Zeltplatz.

Um 19.30 h sind wir in Digoin, gegen 20.00 h sitzen wir im Multivan und fahren zurück nach Nevers (ca. 95 km). Dummerweise habe ich nicht mehr getankt, als wir den Bus letzten Samstag abstellten. Wir sind mit einer Tankfüllung von Heidelberg bis hierher gefahren, jetzt wird der Sprit knapp und es ist ca. 21.00 h in der französischen Provinz. D.h., offene Tankstellen sind jetzt rar. Endlich können wir am Ortsausgang von Imphy voll tanken.

In Nevers kommen wir dann gegen 21.30 h an. Nach einigen Irrfahrten in der Stadt stehen wir endlich vor unserem Boot. Unser Gepäck ist unversehrt, schnell ist der Bus gepackt und der Kanadier auf dem Dach verzurrt. Da wir keinen geöffneten Campingplatz in der Gegend kennen, fahren wir zurück nach Decise. Hier kommen wir um 23.30 h an und stehen natürlich vor verschlossenen Toren. Nach einem kurzen Imbiss (das erste Essen seit dem Frühstück) schlafen wir wie die Murmeltiere im Multivan.

 

Samstag, 06.09.2003
(Decise)

Petri Heil!Wir bauen unser Zelt auf dem Campingplatz auf, der Tag dient dem Aufräumen und dem Einkaufen. Frederick kramt wieder seine Angel hervor und versucht sein Glück erneut, heute am Aron.

Heute Abend wollen wir endlich wieder Essen gehen. Frederick freut sich schon seit ein paar Tagen darauf. Leider finden wir in Decise nicht das entsprechende Restaurant (wir entdecken nur Pizzerias), so dass wir ins Auto steigen und ein Stück auf der Landstrasse entlang fahren. Leider ist das erste Restaurant, das wir uns ausgeguckt haben geschlossen, ein paar Kilometer weiter haben wir mehr Glück. Dort geht es allerdings etwas abenteuerlich zu. Alle Gäste an der Bar haben einen sitzen, einige sind auch richtig blau. Wir müssen bis 19.30 h warten, so dass sich Fredericks Stimmung merklich eintrübt. Das Essen ist aber ganz hervorragend und entschädigt uns vollkommen für die Strapazen der letzten Tage und das etwas merkwürdige Publikum in der Bar.

 

Sonntag, 07.09.2003
(Heimfahrt)

Kurz vor der HeimfahrtIrgendwann ist auch der schönste Urlaub vorbei, für uns heißt es nun  Abschiednehmen von der Loire und von Frankreich. Frederick hat uns eine Route zusammengestellt, die uns über das Zentralmassiv und Burgund führt.

Gegen 19.30 h sind wir zurück in Heidelberg.

 

 

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